In der IT-Welt gibt es eine klare Trennung zwischen Softwareherstellern und Systemlieferanten. Doch immer wieder entsteht die Versuchung, diese beiden Rollen miteinander zu vermischen. Warum das keine gute Idee ist und welche Risiken eine solche Vermischung birgt, erklären wir in diesem Beitrag.
1. Unterschiedliche Kernkompetenzen
Softwarehersteller und Systemlieferanten verfolgen grundsätzlich verschiedene Ziele und Aufgaben:
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Softwarehersteller: Sie konzentrieren sich auf die Entwicklung und Optimierung von Softwareprodukten. Ihr Fokus liegt auf Funktionalität, Stabilität und Innovation der Software.
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Systemlieferanten: Diese sind dafür verantwortlich, die passende Hardware, Netzwerke und Services bereitzustellen, um die Software in eine funktionsfähige Gesamtlösung zu integrieren.
Wer versucht, beide Rollen zu vereinen, riskiert, keine der beiden Disziplinen vollumfänglich zu beherrschen.
2. Interessenskonflikte
Ein Hersteller, der zugleich als Systemlieferant agiert, könnte in Interessenskonflikte geraten. Beispielsweise:
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Vendor Lock-In: Der Hersteller könnte bewusst Hardware oder zusätzliche Software anbieten, die ausschließlich mit seinen eigenen Produkten kompatibel ist. Dies reduziert die Flexibilität der Kunden.
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Fehlende Neutralität: Ein Systemlieferant sollte unabhängig die besten Lösungen für den Kunden evaluieren können. Ist er jedoch gleichzeitig Hersteller, wird er immer seine eigenen Produkte bevorzugen.
3. Kompatibilität als Trugschluss
Ein Softwarelieferant, der auch Server und Clients liefert, wirbt oft damit, dass alles immer kompatibel ist. Auf den ersten Blick mag dies ein schlüssiges Argument sein. Allerdings schafft eine solche Strategie Abhängigkeiten, die der Kunde im Zweifel teuer bezahlt. Die Flexibilität, alternative Hardware oder Software einzusetzen, geht verloren, und der Kunde bleibt an das Ökosystem des Herstellers gebunden.
4. Komplexität und Fokusverlust
Die parallele Verfolgung von zwei Geschäftsmodellen erhöht die organisatorische Komplexität. Während der Fokus auf die Entwicklung exzellenter Software gelegt werden sollte, könnte die Ablenkung durch Logistik, Hardware und Implementierungskapazitäten die Qualität beeinträchtigen.
5. Vertrauen der Kunden
Kunden schätzen unabhängige Partner, die keine versteckten Interessen verfolgen. Ein Hersteller, der auch als Lieferant agiert, riskiert, das Vertrauen zu verlieren, da Kunden die Objektivität seiner Empfehlungen infrage stellen könnten.
Fazit
Die Trennung zwischen Softwareherstellern und Systemlieferanten ist nicht nur sinnvoll, sondern notwendig. Sie sorgt für klare Verantwortlichkeiten, reduziert Interessenskonflikte und garantiert Kunden die beste Lösung für ihre individuellen Anforderungen. Ein Hersteller sollte sich auf das konzentrieren, was er am besten kann: herausragende Software entwickeln. Gleichzeitig sollte er Systemlieferanten die Verantwortung überlassen, die perfekte Infrastruktur für den Einsatz dieser Software bereitzustellen.
Nur so entstehen nachhaltige Partnerschaften und zufriedene Kunden.